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Oans, zwoa, g’roßmarkt: Folge 04 – „Die Wiesn gehört zu München wie der Sendlinger Großmarkt“

Zwei Münchner Giganten, fast zwanzig Jahre Kooperation: Die Wiesn, das größte Volksfest der Welt, und die Firma Früchte Feldbrach, einer der größten Gemüsegroßhändler der städtischen Markthallen, mischen gemeinsam die Theresienwiese auf. Auch diesen Herbst machen sie den Festplatz zu einem Hotspot für Genuss, Kultur und Lebensfreude. Die Standortinitiative hat mit Geschäftsführer Christian Kieslinger über den zweiwöchigen bunten Trubel gesprochen.

Die Füße steckten noch in den Kinderschuhen, da knüpfte die Firma Früchte Feldbrach Kontakt zur Münchner Grande Dame par excellence: der Wiesn. Seitdem ist die jährliche Bekanntschaft gemeinsam mit dem Unternehmen gediehen und aufgeblüht. Der Lieferkreis der Firma hat sich bis zum Chiemsee ausgedehnt, die Mitarbeiterzahl ist auf über 70 geklettert – und es ist zur Selbstverständlichkeit geworden, die tagtäglichen Kunden, wie die Familie Roiderer mit ihrem Gasthof zum Wildpark sowie dem Hacker-Festzelt, auch zur Wiesn tatkräftig zu unterstützen. Jeden Tag kurvt früh morgens ein Feldbrach-LKW über das Oktoberfest, fährt große Zelte und kleine Stände an und liefert knackiges Obst und frisches Gemüse aus. Daraus zaubern die Wiesn-Wirte schließlich schöne Deko-Beilagen, Brotzeitbretter und Schokospieße.

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Aus den frechen Früchtchen der Feldbrach-Lieferungen werden diese Leckereien liebevoll zubereitet.

Das sagt Feldbrach-Geschäftsführer, Frucht-Experte und Wiesn-Liebhaber Christian Kieslinger über das Oktoberfest, die Firma und den Großmarkt:

Herr Kieslinger, zur Wiesn herrscht in München Hochbetrieb. Stecken auch Sie und Ihre Mitarbeiter im hektischen Chaos oder läuft der Betrieb ruhig weiter?

„Für uns ist die Wiesn kein großer Stressfaktor. Durch die direkte Nachbarschaft des Großmarktes zur Theresienwiese haben wir kaum Fahrtweg, das ist sehr praktisch. In der Früh schicken wir einen Fahrer zum Oktoberfest, der in zwei bis drei Stunden alles ausliefert. Das geht ohne viel Mehraufwand. Das Einzige, das unseren Arbeitsablauf in den zwei Wochen Oktoberfest ein wenig aus dem Rhythmus bringt, sind die Lieferungen an den Sonntagen. Normalerweise arbeiten wir sonntags nicht tagsüber, sondern erst mit Beginn der Nachtschicht ab 22 Uhr. Zur Wiesn müssen wir ausnahmsweise dann auch am Ruhetag früh in der Nacht beginnen.“

Was ist für Sie die größte Herausforderung zum Oktoberfest?

„Jedes Jahr wieder ist es eine Herausforderung, die Ware für Samstag und Sonntag bereits am Freitag abzuschätzen. Wir kaufen vor dem Wochenende ein und müssen abwägen, wie viel unsere Kunden über die zwei Tage bestellen werden. Dabei spielt das Wetter eine große Rolle. Wenn Regen und acht Grad angesagt sind, geht weniger Ware weg als bei strahlendem Sonnenschein. Das Wetter im Auge zu behalten und dementsprechend zu kalkulieren, ist schwierig. Vor allem, da die Ware für unsere Wiesn-Kunden unbedingt ausreichen muss. Durch die Sicherheitsauflagen können wir nur morgens bis neun Uhr liefern, Nachbestellungen sind nicht möglich. Deshalb müssen früh morgens Quantität und Qualität stimmen.“

Was schätzen Sie an der Wiesn besonders – als Unternehmer und privat?

„Als Unternehmer sowie privat denke ich: Die Wiesn ist eine Institution. Sie gehört zu München wie die Großmarkthalle in Sendling. Das Tolle ist, dass jeder das Oktoberfest kennt, ganz gleich, woher er kommt. Deshalb ist es unserem Gemüsehandel auch so wichtig, jedes Jahr mit dabei zu sein. Nicht, weil es für uns geschäftlich das Highlight des Jahres ist – sondern weil es eine Prestige-Angelegenheit ist, die Wiesn als ein wichtiges Stück von München zu beliefern.“

Was ist der Verkaufsschlager beim Gemüse zum Oktoberfest?

„Ganz klassisch bayerisch: Rettich und Radieschen. In den vierzehn Tagen Wiesn brauchen wir fast 40 Prozent mehr als in einer normalen Woche.“

Sie haben viele weitere Kunden, zum Beispiel Hotels, Caterings und Kantinen. Welche speziellen „Wiesn-Trends“ gibt es auch bei diesen Kunden?

„Unsere restlichen Kunden passen sich in ihren Gastronomie-Angeboten spürbar an die Wiesn an. Von den Hotels bis zu den Großkantinen stehen auf den Speisekarten typisch bayerische Gerichte wie etwa Kartoffel- und Krautsalate und kalte Brotzeit.“

Vor knapp einem Monat hatten Sie 20-jähriges Firmenjubiläum. Worauf sind Sie nach den vielen Jahren besonders stolz?

„Auf unsere vielen langjährigen Mitarbeiter. Einige haben vor über zehn Jahren bei uns im Lager angefangen und sind inzwischen in verantwortungsvolle Positionen aufgestiegen. Es ist schön zu sehen, wie die Mitarbeiter mit unserem Unternehmen gemeinsam wachsen. Dass uns viele so lange die Treue halten, zeigt uns außerdem, dass das Arbeitsklima gut ist. Der Großmarkt ist als Arbeitsplatz anspruchsvoll: Frühes Aufstehen, im kalten Lager arbeiten und mit stressigen, schnellen Auslieferungen hantieren. Wenn wir unter diesen Bedingungen unsere Mitarbeiter halten können, freut uns das. Deshalb wollen wir das Jubiläum zum Ausklang des Jahres mit all unseren Mitarbeitern feiern.“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Münchner Großmarkts?

„Dass endlich Klarheit in die Neubau-Angelegenheit gebracht wird. Seit mehreren Jahren verharren wir nun in diesem statischen Zustand, es wird viel geredet und geplant. Tatsächliche Änderungen sind bisher aber nicht sichtbar. Für viele Händler am Großmarkt ist dieser Stillstand sehr anstrengend und erzeugt große Unsicherheit. Einige haben den Standort deshalb bereits verlassen und vermutlich werden weitere folgen, wenn nicht bald eine klare Ansage gemacht wird. Dabei machen gerade das Globale und Vielfältige den Großmarkt aus. Denn auf engstem Raum – auch wenn der Raum groß erscheint – kommen die verschiedensten Menschen zusammen. Das soll so bleiben.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Kieslinger. Ihnen und der Firma Früchte Feldbrach ein schönes letztes Wiesn-Wochenende!

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