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„Es geht hier um Existenz“ – Einblick eines Kleinhändlers

Sechs Tage – sechs Orte. Bereits seit 25 Jahren ist der mobile Obst- und Gemüsestand Pilot Obst & Gemüse Handel jeden Tag in einem anderen Dorf anzutreffen. Ob Egling, Münsing, Eurasburg, Deining, Höhenrain oder Königsdorf: Mit täglich frischem, saisonalem Obst und Gemüse von regionalen Gärtnern erfreut Inhaber Pilot Yildirim zahlreiche Dorfbewohner im Süden von Bayern. Einen besseren Beruf kann sich der 45-Jährige nicht vorstellen. Über einen guten Freund ist der gelernte Lackierer vor neun Jahren auf den Job als Gemüsehändler gekommen. Bereits nach einem Jahr wurde er zum Inhaber. Wir haben mit Pilot Yildirim darüber gesprochen, was ihn und zahlreiche andere Kleinhändler in Südbayern derzeit beschäftigt: Der Großmarkt, seine Zukunft und die Existenz der Händler.

Auf Yildirim wartet ein langer Tag. Um 3 Uhr nachts bricht er auf, um auf den Großmarkt zu fahren und dort die Lebensmittel zu erwerben. Dabei achtet er darauf, dass das Obst und Gemüse vorwiegend aus regionalem Anbau stammt. Denn dies gilt als Qualitätsindikator für seine Kunden. Trödeln darf er nicht: Bereits um 8:30 Uhr kommen die ersten Kunden an seinen Stand.

Was ihn dazu bewegt, jeden Tag so früh aufzustehen? Für Yildirim eine leicht zu beantwortende Frage. Der Umgang mit den Menschen. Einige seiner Mitarbeiter kennt er bereits seit Beginn an und schätzt sie als gute Freunde. Auch zahlreiche seiner Kunden sind seit vielen Jahren Stammkunden, von denen er jeden Einzelnen persönlich kennt. So auch beispielsweise ganze Sportvereine, die er mit seinen gesunden Snacks sponsert. Für seine Kunden nimmt er sich viel Zeit, um jeden einzeln zu beraten. „Sollte ein Apfel doch mal nicht so saftig sein, ersetze ich die Ware gerne kostenfrei. Die Zufriedenheit des Kunden steht an oberster Stelle. Am meisten bedeutet mir das Lob meiner Kunden. Ich fühle mich dadurch bestärkt, in dem was ich mache. Und trotz der Tatsache, dass der Job anstrengend ist, mache ich ihn sehr gerne.“

 

Herr Yildirim, nun ein Thema, das uns alle derzeit sehr bewegt: Der Großmarkt. Was bedeutet er für Sie?

„Ganz einfach: Der Großmarkt bedeutet für mich Existenz. Ich habe eine Familie und drei Kinder. Und ich muss für ihre Zukunft sorgen. Mittlerweile habe ich so viel in das Geschäft investiert, dass ich eigentlich nicht aufhören kann. Der Großmarkt ist für alle Kleinhändler in Südbayern von großer Relevanz. Denn es ist der einzige Ort hier in der Umgebung, an dem wir regionales Obst und Gemüse einkaufen können. Die einzige Möglichkeit, das Qualitätsversprechen unserer Ware einzuhalten, ist der Großmarkt. Es gibt in der Nähe keine Alternative. Auch unsere Kunden schätzen es sehr, regionale und qualitativ hochwertige Produkte zu erlangen. Sie müssen nicht erst in die nächstgelegene, größere Stadt zu einem Supermarkt fahren. Und nicht zuletzt die Kinder, die ich über Qualität und Vielfalt von Obst und Gemüse unterrichte, profitieren davon.“

 

Dann erzählen Sie uns etwas über Ihren Unterricht. Wie schaffen Sie es, die Kinder für Spinat, Rote Beete und Sellerie zu begeistern?

„Ich gebe im Rahmen des Ernährungsunterrichts den Zweitklässlern ehrenamtlich Unterricht. Die Kinder kommen aus den umliegenden Grundschulen: Grünwald, Egling, Münsing und viele mehr. Dabei lernen die Kinder alles über Obst und Gemüse. Woher kommt das Obst und Gemüse? Welche verschiedenen Sorten gibt es? Wie wird es angebaut? Was bedeutet Regionalität? Was spricht für gute Qualität? Kostproben gibt es inklusive. So habe ich schon viele Kinder überzeugt, Gemüse zu probieren. Den Jungen sage ich: ‚Wenn du Brokkoli isst, dann bekommst du Muckis.‘ Den Mädchen sage ich: ‚Esst Aprikosen oder Spinat, das macht schöne Haut.‘ So kamen schon viele Eltern auf mich zu und haben sich bedankt, weil ihre Sprösslinge plötzlich nach gesunden Snacks verlangt haben.“ Er deutet auf ein selbstgebasteltes Bild voller Fotos und Unterschriften, auf dem mehrfach das Wort „Danke“ steht. „Schau, das haben mir die Schüler geschenkt.“


Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft des Großmarktes?

„Für unser aller Zukunft ist es wichtig, dass der Großmarkt in Sendling bestehen bleibt und ein baldiger Hallen-Neubau kommt, um den Händlern die notwendige Planungssicherheit zu gewähren. Davon hängen viele Existenzen ab. Das muss allen Entscheidungsträgern bewusst sein. Jetzt wünschen wir uns Transparenz, denn die Unsicherheit ist groß – viele meiner Kollegen können die Auswirkungen der Stadtratsentscheidung im vergangenen Sommer nicht einschätzen. Kann der Hallen-Neubau tatsächlich so umgesetzt werden? Was wird das für die Händler auf dem Großmarkt bedeuten? Werden sie sich die Mieten noch leisten können? Und welche Auswirkungen hat das letzten Endes auf uns Kleinhändler?

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