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Großmarkthändler mit Medizinstudium

Es ist 1 Uhr in der Nacht. Der Wecker klingelt – wie jeden Tag zu dieser Zeit. Eine große Gestalt reckt sich und schüttelt sich den Schlaf aus den Gliedern. Dann beginnt die Arbeit von Arno Schmal: WhatsApp, E-Mails, dann der Anrufbeantworter. Bestellungen von Gastronomen, die bis in die Nacht gearbeitet haben. Was nicht im Lager ist, muss sofort besorgt werden: Drachenfrucht, Tamarillo, runde Zucchini. Rein ins Auto, ab auf den Großmarkt. Während die Straßen menschenleer sind und die Stadt noch in Tiefschlaf versunken ist, herrscht auf dem Großmarktgelände das blühende Leben. Arno Schmal ist Geschäftsführer von Schmal Obst- und Gemüsegroßhandel, sozusagen ein Zwischenhändler auf dem Großmarkt. Er kauft frisches Obst und Gemüse bei seinen Händlerkollegen in der Markthalle und schickt es in sein Lager, wo es kommissioniert, auf LKWs verladen und direkt an Münchner Gastronomen ausgeliefert wird. Langsam dämmert es und die ersten Einkäufer strömen auf die Marktflächen. Der Verkauf in der Großmarkthalle beginnt. Schmal kümmert sich jetzt um sein zweites Geschäft: den Verkaufsstand der Firma Eschenbaum.

Gegen Mittag ist die Luft raus. Schmal fährt nach Hause, tankt ein paar Stunden Schlaf, um am Abend wieder die ersten Bestellungen koordinieren zu können. Was für die meisten Menschen zunächst nach sozial unverträglichen Arbeitszeiten klingt, ist für ihn vor allem eines: Freude im Umgang mit Lebensmitteln. „Während trockene Theorie mich beruflich kaum reizen würde, liebe ich den täglichen Umgang mit frischem und gut duftenden Obst und Gemüse“, sagt der 56-Jährige.

Jedoch kennt er beides: trockene Theorie und physische Arbeit. 1961 gründete sein Vater Johann Schmal das Familienunternehmen Schmal, in dem er bereits in jungen Jahren anpackte. Den Betrieb übernehmen, wollte er nicht, geht seinen eigenen Weg. Er machte Abitur und studierte Medizin. Bis zum Physikum arbeitete er parallel am Großmarkt und im Vorlesungssaal der medizinischen Fakultät München. „Obwohl die Zeit anstrengend war, ging mir das Studium relativ leicht von der Hand“, erinnert er sich.