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Der Großmarkt vereint Generationen

„Vorsicht, bitte!“, ruft ein Mitarbeiter, während er sich mit einem vollbeladenen Wagen gefüllt mit saftigen Orangen an seinen Kollegen vorbeischiebt. „F. X. Sämmer“ steht mit großen, weißen Buchstaben über dem kleinen Häuschen, in dem zwei Damen telefonieren. Daneben befindet sich eine Wand mit einer riesigen Auswahl an Nüssen: Pinienkerne, Macadamianüsse und Cashewnüsse, aber auch exotischere Sorten wie Wasabinüsse. Große Packungen mit Erdnüssen, Wallnüssen, getrockneten Feigen und weiteren Leckereien lagern auf Paletten davor.

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Neben einer dieser Paletten steht Robert Dosch und redet mit einem Mitarbeiter. Robert ist Geschäftsführer von F. X. Sämmer und führt den Familienbetrieb in dritter Generation. Sein Sohn Marco steht an einem hohen Tisch und telefoniert mit wichtigen Kunden. Es geht bereits um Bestellungen für morgen. Und sogar Roberts Vater Günther Dosch ist heute am Stand, dabei ist er mit 78 Jahren schon seit einiger Zeit in Rente. „Meinem Opa liegt unsere Firma immer noch sehr am Herzen“, sagt Marco. „Er schaut deshalb ab und an vorbei und vergewissert sich, dass alles glattläuft.“

Webseite? Email? Gibt’s nicht

Günther Dosch übernahm die Firma von seinem Schwiegervater Franz Xaver Sämmer, der die Firma 1930 gegründet hat. Der Geschäftsführer änderte sich, der Name jedoch blieb. Wer die Firmengeschichte auf der Homepage nachlesen möchte, wird feststellen, dass es eine Webseite nicht gibt. Auch eine Firmen-E-Mail-Adresse existiert noch nicht. „So etwas haben wir lange nicht gebraucht und ich war wohl auch etwas altmodisch“, erzählt Robert schmunzelnd. „Mein Sohn denkt in der Hinsicht anders, deswegen ist er gerade dabei, eine E-Mail-Adresse für uns zu erstellen.“

Schoko- und Trockenfrüchte, Nüsse, Obst sowie Pilze hat F. X. Sämmer im Angebot. „Wir bekommen die Pilze aus aller Welt. Sie kommen bei unseren Kunden sehr gut an“, sagt Robert. Die Pilze und Nüsse werden vor allem aus dem Osten geliefert: Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Polen. Beeren und Äpfel wiederum stammen meistens vom Bodensee.

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Jetzt zur Weihnachtszeit liefert das Unternehmen besonders viele Nüsse, Trockenfrüchte und Orangen aus. Gerne erinnert sich Robert an einen Kunden aus Russland, der wöchentlich zwei bis drei LKW-Ladungen Erdnüsse bestellt hatte. „Das war zwar körperlich eine sehr anstrengende Arbeit, denn die Säcke wogen 80 Kilo. Allerdings war es auch sehr außergewöhnlich und natürlich ein tolles Geschäft“, sagt der 52-Jährige. Die große Menge an Erdnüssen wurde weiter in die Ukraine zu einem Chocolatier gebracht.

Schokoladenhersteller stellen nur einen Teil der vielfältigen Kundschaft von F. X. Sämmer dar. „Wir beliefern Gastronomen, Großhändler und Einzelhändler“, sagt Robert Dosch. Viele ihrer Kunden kommen aus Deutschland, aber auch international liefert das Unternehmen aus, beispielsweise nach Österreich. Mit allerhand Lieferanten macht F. X. Sämmer schon seit vielen Jahren Geschäfte. „Ein Händler beliefert uns schon, seitdem wir auf den Großmarkt gezogen sind – also schon seit 40 Jahren“, erklärt der Geschäftsführer.

Mit Marco entscheidet sich bereits die vierte Generation für die Arbeit auf dem Großmarkt. Als kleines Kind war es für den heute 22-Jährigen das Größte, mit seinem Vater zur Großmarkthalle zum Stand zu fahren. Bei solchen Ausflügen seien einige lustige Geschichten entstanden, sagt Marco. „Einmal bin ich zum Beispiel auf einer Ladung verpackter Erdnüsse eingeschlafen.“ Und sein Vater ergänzt: „Als vor vielen Jahren hier im Großmarkt Tag der offenen Tür war, beschloss Marco, zusammen mit seinem Schulfreund Erdnüsse an die Besucher zu verteilen und sie in die Menge zu werfen. An diesem Tag waren sehr viele Gäste da, die sich gefreut und natürlich um die kostenlosen Nüsse gerissen haben.“

Die Arbeit auf dem Großmarkt ist nicht jedermanns Sache. Umso mehr weiß es Robert zu schätzen, dass sich auch sein Sohn dazu entschlossen hat, in das Unternehmensgeschäft einzusteigen. „Man muss sehr früh aufstehen. Unsere Arbeit beginnt teilweise schon um zwei Uhr in der Nacht. Erst nach elf Uhr kommt man ins Bett und abends geht es wieder weiter. Wir telefonieren mit Kunden und organisieren den nächsten Tag.“ Um das stemmen zu können, geht Robert früh ins Bett und hält zusätzlich etwa zwei Stunden Mittagsschlaf. „Papa kriegt das gut hin, ich schlafe allerdings mittags viel zu lang. Wenn ich um 13 Uhr ins Bett gehe, wache ich teilweise erst um 17 Uhr wieder auf“, gibt Marco zu.

Der frühe Vogel kriegt die Nuss

Das frühe Aufstehen lohnt sich für den 22-Jährigen aber dennoch. Die Arbeit auf dem Großmarkt macht ihm viel Spaß. „Es wird nie langweilig“, sagt er. Mit seiner langjährigen Erfahrung weiß auch sein Vater: „Auf dem Großmarkt ist kein Tag gleich. Man erlebt täglich Neues“. Marco erstaunt die Tatsache, dass nur so wenige Menschen den Großmarkt kennen. Viele Leute, mit denen er spreche, hätten noch nie davon gehört. „So etwas wie hier ist selten und etwas Besonderes. Wenn ich Leuten davon erzähle, können sie es teilweise gar nicht glauben, dass es so etwas wie den Großmarkt zentral in München gibt.“

F. X. Sämmer ist nicht nur Arbeitsstelle, es ist Familientradition. Am Stand kommt die ganze Familie zusammen. Marcos Uropa, Opa und Vater führen das Familienunternehmen mit Leidenschaft. Er selbst möchte diese Arbeit eines Tages weiterführen. „Später möchte ich gerne die Firma leiten und die Tradition meiner Familie fortsetzen.“ Damit die Arbeit für Marco weiterhin attraktiv bleibt, wünscht sich Robert eine Modernisierung des Großmarkes, die Hygiene und Technik auf den neuesten Stand bringt. „Ich hoffe auf einen schönen und modernen Großmarkt mit normalen Preisen, damit die Arbeit auch für die nächste Generation eine ist, von der man leben kann und die Freude bereitet“, sagt Robert Dosch.


Für die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ suchen wir stets Unterstützer: Einfach und schnell können Sie sich vom Handy oder Desktop bei unserer
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