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„Wer einmal am Großmarkt angefangen hat, den lässt dieser Ort nicht mehr los“

Mit seinen 28 Jahren ist Fabian Fritzmaier ein sehr junger Chef am Großmarkt. Nach seiner Bankkaufmannslehre ist er mit 21 Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen, der bereits seit 48 Jahren besteht. 1969 gründete der Namensgeber Hermann Fischer den Betrieb. Schon damals belieferten er und seine vier Mitarbeiter die Münchner Gastronomie mit frischem Obst und Gemüse. Fritzmaier führt das Familienunternehmen inzwischen in der vierten Generation zusammen mit seinen Eltern weiter. „Es passiert aber immer seltener auf dem Großmarkt, dass die Jungen in den Betrieb einsteigen. Viele Firmen hier machen zu, weil sie die Planungsunsicherheit wegen der neuen Großmarkthalle nicht länger aushalten. Die ältere Generation will ihren Kindern das Unternehmen unter den gegebenen Umständen oft gar nicht übergeben und ihnen den Stress und die Ungewissheit nicht zumuten“, berichtet Fritzmaier nüchtern. „Für mich war es aber einfach eine Herzensangelegenheit und heute bin ich froh darüber, dass ich den Familienbetrieb weiterführe.“
Auch wenn der Alltag auf dem Großmarkt stressig und das frühe Aufstehen anstrengend sind, erlebt er hier Momente, für die es sich lohnt. „Ein ganz besonderes Flair liegt bei Sonnenaufgang über dem Großmarkt“, findet Fritzmaier.

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Auf dem Stand der Hermann Fischer KG stehen um 8:30 Uhr morgens nur noch wenige Kisten mit Obst und Gemüse. Die gelben Markierungen am Boden vor den beiden Bürohäuschen lassen erahnen, dass an den Ständen 82 bis 84 in Halle 4 ein paar Stunden vorher jede Menge frische Ware gestapelt war. „Hier am Stand geht das Geschäft bis 11 Uhr, dann wird zusammengeräumt und der Bestand aufgenommen“, erklärt der Geschäftsführer. Während viele Münchner auf ihrem Weg ins Büro sind und ihren Arbeitsalltag beginnen, ist für die Händler am Großmarkt in Sendling Feierabend schon in Sicht.

Ein Kürbis so schwer wie fünf Elefantenbabys

Dafür klingelt der Wecker der Händler auch früher. Fritzmaier steht jeden Tag um 2 Uhr auf und fährt auf den Großmarkt. „Sobald ich hier ankomme, ist die Ware entweder schon da oder kommt bis um 5 Uhr an“, sagt der Hohenbrunner. Sein Sortiment umfasst Obst und Gemüse, alle Sorten, Arten und Gattungen, die sich seine Kunden wünschen. Die Ware lässt er aus der Niederlande, Italien und Spanien importieren. Anschließend beliefert er damit vorrangig die Münchner Gastronomie. Zu seinen Kunden zählen Hotels, Restaurants, Kantinen und Feinkostketten. Bestellt ein Kunde etwas Exotisches, schaut er sich auf dem Großmarkt um und kauft dort bei Händlern zu, die sich auf gewisse Produkte wie etwa Südfrüchte spezialisiert haben. „Die Kunden haben auch sehr spezielle Wünsche“, erzählt Fritzmaier schmunzelnd. „Letztes Jahr haben wir an Halloween einen Kürbis geliefert, der war eine halbe Tonne schwer und hatte einen Durchmesser von über einem Meter. Obwohl der Transport eine logistische Herausforderung war, haben wir den Kürbis heil zum Kunden gebracht.“

IMG_1102Über 20 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen am Stand auf dem Großmarkt und als Ausfahrer der zwölf Fahrzeuge, die ebenfalls zum Betrieb gehören. „Uns ist es wichtig, dass die Fahrer mit der Ware in Berührung kommen. Deshalb kommissionieren sie die importierte Ware hier in der Großmarkthalle selbst und laden sie dann ins Fahrzeug“, erklärt Fabian Fritzmaier.

Kindheitserinnerungen und Zukunftsvisionen

Schon als kleiner Bub von vier Jahren war Fabian Fritzmaier mit seinen Eltern am Großmarkt und hat das Treiben dort beobachtet. „Als ich noch jünger war, hat mal jemand zu mir gesagt ‚Wer einmal am Großmarkt angefangen hat, den lässt dieser Ort nicht mehr los‘ und bei mir war es genauso. Wahrscheinlich hat mich schon mit vier Jahren das Großmarktfieber gepackt und bis jetzt nicht mehr losgelassen“, erzählt er und lacht. Der Händler erinnert sich nicht nur gern an die früheren Zeiten in der Großmarkthalle, die für ihn einen besonderen Charme hat, wie er nur noch selten ist. Er will auch mit der Zeit gehen und für die Zukunft gerüstet sein. „Mit der neuen Website haben wir schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, denn auch wir Händler müssen uns mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Noch werden die Bestellungen größtenteils über Telefon und Fax aufgegeben. Inzwischen bestellen aber immer mehr Kunden per E-Mail und über Internet. Hier müssen wir noch etwas umdenken und unsere Bestellsysteme ausbauen“, sagt Fritzmaier.

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Nicht minimalsanieren, sondern ganzheitlich planen

Die Minimalsanierungen, die momentan an der Großmarkthalle durchgeführt werden, sieht der Händler problematisch: „Hier gehört viel gemacht, richtig viel. Meiner Meinung nach darf aber der Fehler des Aufschiebens nicht auch die nächsten Jahre bestimmen. Das Projekt Großmarkt in Sendling muss endlich ganzheitlich geplant werden. Ich wünsche mir dabei, dass die Bedürfnisse von uns Händlern eine zentrale Rolle spielen. Für mich liegt die Lösung in der Einfachheit. Den Bedarf an einer Hightech-Großmarkthalle sehe ich nicht.“ Eine konkrete Forderung hat Fabian Fritzmaier aber: „Wir brauchen endlich Gewissheit und eine rasche Umsetzung der Pläne.“

 

Für die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ suchen wir stets Unterstützer: Einfach und schnell können Sie sich vom Handy oder Desktop bei unserer Unterstützungserklärung eintragen und sich für einen baldigen Neubau der Großmarkthalle aussprechen.

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