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Paradiesischer Arbeitsplatz mit ungewisser Zukunft

Hermann Felber steht bei einem Kunden und konfektioniert dessen Bestellung an Obst- und Gemüse, bevor sie in den Transporter eingeladen wird. „Dieser Kunde verkauft die Ware frisch auf Wochenmärkten. Oft vergessen die Leute, dass es ohne den Großmarkt auch den Viktualienmarkt nicht geben würde. Und ohne Viktualienmarkt wäre München ein ganzes Stück ärmer“, erzählt er. Schon als Kind durfte er seinen Vater in den Ferien ab und zu auf den Großmarkt begleiten. Seit 1984 ist der gelernte Stahlbauschlosser im Betrieb tätig und seit 2001 führt er das Unternehmen Josef Felber GmbH in Halle 6 am Stand 126 und 127 in zweiter Generation.
Allerdings trügt die Standortbezeichnung ‚in Halle 6‘, denn neben den Lager- und Kühlräumen befindet sich ein Großteil seiner Fläche unter freiem Himmel. Hier stapeln sich Kisten mit Radieschen, Tomaten und Rosenkohl. Unter dem Dachvorsprung steht weitere Ware wie Orangen, Zucchini und Paprika. „Wir nutzen diese Fläche vor der Halle rund ums Jahr. Das klingt jetzt aber schlimmer, als es eigentlich ist. Man gewöhnt sich einfach daran“, stellt der sympathische Erdinger fest.

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Das Familienunternehmen führt Obst, Gemüse und Südfrüchte im Sortiment. Die Ware kommt aus Deutschland, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien und Italien. Neben Wochenmärkten zählen vor allem Gastronomen in München zu seinen Kunden. „Ich finde es sehr schade, dass wir Händler vom Großmarkt in Sendling inzwischen fast nur noch die Gastronomie beliefern. Kundschaft aus anderen Sparten haben wir bereits an die Supermärkte verloren. Das ist besonders deshalb so schade, weil unsere Qualität besser ist als die der Supermärkte“, führt der Händler aus. „Neben den Supermärkten könnten durch das Internet auch die Lebensmittellieferdienste zu starken Konkurrenten anwachsen, wobei auch hier die Frage der Qualität offen bleibt.“
Für Hermann Felber zählt nicht nur die Qualität der Ware: Ebenfalls legt er Wert auf Nachhaltigkeit. Wenn die Saison es zulässt, verkauft er Obst und Gemüse aus Deutschland. Zudem sollen sowohl die Erzeuger als auch deren Mitarbeiter anständig bezahlt werden.

Bestellungen nach Belgien und Verona

Wie bei allen Händlern auf dem Großmarkt beginnt auch bei der Firma Felber der Alltag in den frühen Morgenstunden. Um 3 Uhr ist der Händler am Stand, wo ein Teil seiner zehn Mitarbeiter bereits mit dem Aufbau der Ware begonnen hat. Bald darauf treffen die ersten Kunden ein, und der Verkauf startet. „Die meisten Kunden holen sich hier an unserem Stand die Ware ab. Manchmal liefern wir auch, aber das ist eher die Ausnahme“, ergänzt der Geschäftsführer. Am späten Vormittag ist dann Schluss: Die restliche Ware kommt ins Lager, es wird Bestand und Kassenabschluss gemacht. Bereits in den frühen Morgenstunden erfolgten die Bestellungen der Ware für die nächsten Tage. Hier ist eine vorausblickende Planung wichtig, denn die Lieferanten in Belgien und Holland benötigen die Bestellungen bis spätestens 12 Uhr, damit sie am nächsten Tag pünktlich in München ankommen. Bei Ware aus Italien hängt es von der Entfernung ab: „Eine Bestellung aus Verona müssen wir auch bis 12 Uhr aufgeben. Alles aus südlicheren Orten benötigt zwei Tage, und Ware aus Spanien sowieso drei Tage.“

Es menschelt, und das ist gut so

Am meisten Freude an seinem Beruf macht dem 51-Jährigen der Umgang mit den Menschen: „Den Münchner Großmarkt und die Branche allgemein sehe ich als eine Oase im Herzen der Stadt, fast schon eine Insel der Glückseligen: Wir handeln mit frischer Ware und haben einen Arbeitsplatz an der freien Luft. Natürlich gibt es auch bei uns stressige Zeiten und Hochbetrieb, trotzdem bleibt immer noch Zeit für ein kurzes Gespräch oder einen Witz. Es menschelt halt. Das gefällt mir besonders gut.“

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Ungewisse Zukunft – Hoffnungsschimmer erwünscht

Allerdings lebt er mit seinem Unternehmen auf dem Großmarkt in Sendling momentan von einem Tag auf den anderen. Pläne für die Zukunft zu machen ist für ihn und seine Kollegen derzeit nicht möglich. „Ich würde gerne die eine oder andere Kühlung erneuern. Das kann ich aber nicht. Ich weiß ja nicht, wie es weitergeht. Wann kommt die neue Großmarkthalle? Kommt sie überhaupt? Auf diese Fragen kann mir momentan keiner eine Antwort geben. Deshalb wäre es Unsinn, jetzt eine größere Summe in Kühlung und Keller zu investieren, wenn ich womöglich in zwei Jahren raus muss“, betrachtet er nüchtern.
Nicht nur Hermann Felber hofft auf einen Neubau zu einem anständigen Mietpreis, den die Händler stemmen können. Ansonsten wäre die Konkurrenz durch die Supermärkte zu groß, und er könnte mit den Preisen einfach nicht mehr mithalten. Der Großmarkt liegt ihm sehr am Herzen: „Für mich bedeutet er ein Stück Familie und meine Mitarbeiter hier sehen das auch so. Hier arbeiten wir täglich zusammen, wir sind ein eingespieltes Team. Was noch viel wichtiger ist: An den Firmen hier hängen Familien und deren Auskommen. Auch sie verdienen eine klare Aussage zu ihrer Zukunft. Hoffentlich können wir die Strukturen aufrechterhalten und diese Oase in München bewahren.“

 

Für die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ suchen wir stets Unterstützer: Einfach und schnell können Sie sich vom Handy oder Desktop bei unserer Unterstützungserklärung eintragen und sich für einen baldigen Neubau der Großmarkthalle aussprechen.

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