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„Auch in der Umbauphase müssen wir handeln und verkaufen können“

„Der frühe Vogel trinkt viel Kaffee“ leuchtet in schwarzen Buchstaben auf weißem Hintergrund von der Lightbox am Stand von Franz Schmitt Obst- und Gemüsegroßhandel. Wie in vergangenen Zeiten die neu angelaufenen Kinofilme verkündet wurden, prangt hier das umgewandelte Sprichwort über dem modernen Kaffeeautomaten. Gleich nebenan türmen sich Kisten voll mit frischem Gemüse. Tomaten, Gurken, Zucchini, Kresse, Paprika und viele weitere Gemüsesorten stehen eng aneinander gestapelt. Dem Auge wird einiges geboten. Alle Abstufungen von Grün können hier entdeckt werden: das matte Hellgrün der Bohnen, das satte Smaragdgrün des Mangolds, das glänzende Dunkelgrün der Spinatblätter.

Daniel Schury sitzt im Backoffice am Computer. Der Geschäftsführer der Franz Schmitt GmbH & Co. KG ist bereits seit 2001 im Unternehmen mit langer Tradition. „Die Firma Schmitt gibt es seit knapp 100 Jahren – also fast so lange wie den Großmarkt selbst. Früher war sie in der Halle 1 ansässig, inzwischen sind wir hier in Halle 3 an Stand 73 und 74. In der aktuellen Konstellation besteht das Unternehmen seit 1970. Schon 2013 bin ich in die Geschäftsleitung mit eingestiegen und seit 2017 alleiniger Geschäftsführer“, erzählt Schury. Der Münchner war schon immer zahlenaffin. In seinem BWL-Studium an der LMU hat ihn die Börse besonders interessiert: „Am Großmarkt gibt es Schnittstellen zum Handel an der Börse. Das Element des ständig Wechselnden, Angebot und Nachfrage, unterschiedliche Preise, damit haben wir hier auch zu tun.“ Als er sich das Handeln auf dem Großmarkt angeschaut hat, fand er es unheimlich mitreisend. „Letztendlich habe ich Blut geleckt und wie viele andere auch, die einmal an diesem Ort angefangen haben, bin ich hier hängen geblieben“, sagt der Händler und zuckt mit den Achseln.

Zwischen Funksprüchen und „Bester Bohnität“

Am Pult vor den Bürohäuschen steht einer der 18 Mitarbeiter von Franz Schmitt Obst- und Gemüsegroßhandel. Ihn und auch Schury erreichen immer wieder Funkgespräche. Zwischen dem Verkaufsstand, den Staplerfahrern und den Mitarbeitern im Lager wird ständig kommuniziert. Ware wird für die Kunden zusammengestellt, verladen und in der Halle wieder nachgefüllt.
Der Stand des Unternehmens fällt auf: Seine Frau Pia Schury hat eine professionelle Gestaltung mit modernem Design, farbenfrohem Druck und Logo der Firma umgesetzt. Auch die Website ist neu aufgezogen mit lustigen Sprüchen wie „Beste Bohnität“ und „Unsere Vermöhrungstheorie“.

Schury verkauft sein Gemüse vor allem an den Lebensmitteleinzelhandel, Gastronomie, Gastronomielieferanten und kleinere Geschäfte in München und im Münchner Umland. Die meisten seiner Kunden holen die Ware am Großmarkt ab, teilweise wird sie auch direkt zum Kunden gebracht. Das Gemüse kommt im Sommer größtenteils aus Deutschland, Holland und Belgien. Im Winter importiert der Händler die Ware aus Italien, Spanien, Frankreich, Ägypten und der Türkei. „Besonders in den Wintermonaten müssen wir gut vorausplanen, da nicht täglich Ware aus allen Ländern ankommt. Im Sommer ist es etwas einfacher. Da bestelle ich das Gemüse heute und habe es morgen da“, erklärt der Geschäftsführer. „Auch wenn wir Obst und Gemüse in unserer Firmenbezeichnung tragen, haben wir nur Gemüse im Sortiment. Mein Vorgänger Horst Franke hatte irgendwann mal die Nase voll vom Obst und seitdem verkaufen wir Gemüse“, erzählt der Familienvater lachend.

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„Die Umbauphase muss durchdacht sein“

Daniel Schury macht sich wie alle Händler Gedanken um die Zukunft seines Unternehmens und den Münchner Großmarkt: „Ich sehe den Bedarf an einem Großmarkt in Sendling definitiv. Und auch ein Neubau ist dringend nötig.“ Die Rentabilität müsse aber im Auge behalten werden, betont er. Die Mieten dürfen für die Händler nicht völlig aus dem Rahmen fallen. Ansonsten würden sie gegen die Konkurrenten außerhalb des Großmarktes nicht bestehen können. Dieses Anliegen ist ihm besonders wichtig, daher unterstützt er die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ Eine kritische Phase stellt für ihn der Umbau dar: „Der Umbau muss zügig vorangehen. Am allerwichtigsten ist die Interaktion zwischen Architektenteam, Händler und Bauverantwortlichen.“ Damit auch in der Umbauphase die Kunden an den Großmarkt kommen und dort ihre Ware kaufen können, muss es ein einheitliches Konzept geben. „Hier am Großmarkt bieten wir Qualität, Frische und Vielfalt, wie es kein Supermarkt kann. Dieses Handelsnetzwerk ist über Jahre und Generationen aufgebaut worden“, sagt Schury. Mit dem Großmarkt stehen viele Arbeitsplätze und Existenzen auf dem Spiel. Ein zügiger Neubau mit erschwinglichen Mieten würde endlich Planungssicherheit für die Händler bedeuten.

 

Für die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ suchen wir stets Unterstützer: Einfach und schnell können Sie sich vom Handy oder Desktop bei unserer Unterstützungserklärung eintragen und sich für einen baldigen Neubau der Großmarkthalle aussprechen.

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