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„Den Großmarkt verbinde ich vor allem mit ehrlichen Leuten“

Menschen plaudern fröhlich, bummeln entlang der Sortieranlage des Großmarktes und erledigen nebenbei ihre Einkäufe: Äpfel, Trauben, Zucchini gibt es beim Obst- und Gemüsestand, frischen Schinken beim Landfleischladen. Währenddessen sitzen kleine Gruppen in der Sonne auf Holzbänken vor dem Italiener Bussone und lassen sich eine leckere Pizza schmecken. Andere machen es sich vor dem kleinen Fischladen „Bizim Balikci. Unser Fischmarkt“ mit einer frischen Fischsemmel in der Hand gemütlich. So war es in vergangenen Zeiten.

Birhan Babayigit ist der Eigentümer des Fischmarktes. Heute sitzt er an einem langen Tisch in seinem kleinen Laden, hinter ihm die Fischtheke mit in Eis gekühlten Blaufischen und Wolfsbarschen. „Vor fast sieben Jahren mussten wir diese Räume verlassen und in Container umziehen, da das Dach der ehemaligen Sortieranlage marode war“, erzählt er. Dieser Umzug hat viel verändert. Babayigit: „Der Obst- und Gemüseladen war das Herz und die Seele dieser Symbiose. Durch den Umzug in die Container ging er pleite. Die Stimmung ist jetzt eine andere, viele Kunden sind weg.“ Für den 40-Jährigen ist es eine Herzensangelegenheit, den alten Marktplatzcharakter wiederherzustellen. „Wir möchten die Sortieranlage zum zentralen Treffpunkt zurückverwandeln, an dem Menschen in einer schönen Atmosphäre einkaufen und zusammenkommen.“ Aus diesem Grund engagiert sich der Ladeninhaber bei der Bürgerinitiative „Lebendige Sortieranlage“.

Ein großes Ziel hat die Initiative bereits erreicht: In die ehemalige Sortieranlage sind inzwischen wieder Händler und Gastronomen eingezogen. Babayigit ist mit seinem Fischmarkt nach sechseinhalb Jahren wieder an den alten Standort zurückgekehrt. „Ich habe wirklich lange darauf gewartet. Auch die Leitungen und der Boden wurden in dieser Zeit erneuert. Jetzt bin ich froh, wieder zurück zu sein.“ Die Geschäfte, Imbisse und Feinkostläden haben den Ort wieder zum Leben erweckt.

Fischers Fritz fischt frische Fische. Und „Unser Fischmarkt“ verkauft sie.

Bereits um sechs Uhr nimmt Babayigit die ersten Lieferungen an. „Der Fisch ist immer frisch, er muss zügig ausgenommen werden.“ Montags ist Ruhetag, abgesehen davon öffnet der Inhaber die Türen seines Ladens werktags ab 9:30 Uhr. „Viele Kunden kommen vom Großmarkt. Sie essen hier zu Mittag oder erledigen ihre Einkäufe.“ Babayigit profitiert aber nicht nur wegen der Kundschaft vom nahegelegenen Großmarkt, sondern genießt außerdem das Flair. „Der Großmarkt versprüht eine urige Atmosphäre. Viele Menschen haben Charakter und sind ehrlich. Es ist Gold wert, in so einer Umgebung zu arbeiten.“ Durch die Nähe zum Großmarkt bekommt Babayigit aber auch mit, dass er sich in den letzten Jahren verändert hat: „Früher konnte man bis elf Uhr auf dem Großmarkt einkaufen, mittlerweile packen viele Händler bereits um neun Uhr zusammen“, stellt er fest. Allerdings ist auch der Zustand der Großmarkthalle kritisch. „Es bröckelt an vielen Stellen und es ist mehr als eine Sanierung nötig, damit die Händler auf einem sowohl technisch als auch hygienisch hohen Standard arbeiten können. Dennoch wünsche ich mir, dass das urige Flair erhalten bleibt. Ohne die Großmarkthalle würde ein Stück Münchner Ehrlichkeit verloren gehen.“ Aus Erfahrung von der Sortieranlage weiß er, dass es sich lohnt aktiv zu werden und für eine gute Sache zu kämpfen. Deshalb unterstützt der Fischliebhaber auch die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“

Babayigit kauft regelmäßig auf dem Großmarkt ein, aber: „Wenige Großmarkthändler bieten Fisch an, eine Fischhalle, wie sie aus Hamburg bekannt ist, gibt es nicht.“ Den Großteil seiner Ware bekommt er daher von eigenen Lieferanten, vorwiegend aus Italien. Einmal in der Woche gibt es eine Lieferung aus Übersee mit Thunfisch, Schwertfischen und wilden Garnelen aus dem Indischen Ozean.

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Zu bedrohten Fischarten gibt es tolle Alternativen

Der gebürtige Armenier, der bereits im Alter von zwei Jahren nach Deutschland kam, weiß sehr viel über das Thema Fisch. Dieses Wissen gibt er gerne an seine Kunden weiter. Vor allem in persönlichen Gesprächen, in denen er Rezeptideen verrät oder Alternativen zu bedrohten Fischen aufzeigt. „Rotbarsch oder Kabeljau können wunderbar ersetzt werden. Es gibt viele noch unbekannte Fischarten. Es lohnt sich, diese auszuprobieren.“ Babayigit legt Wert darauf, dass seine Ware möglichst schonend gefangen wird. „Wir versuchen, keine Fische zu kaufen, die in Schleppnetzen gefangen wurden und achten darauf, dass möglichst wenig Beifang dabei ist.“

Für die Zukunft wünscht sich der begeisterte Fischverkäufer, dass sich sein Laden stetig weiterentwickelt. Einen zweiten Laden möchte er vorerst nicht eröffnen, dafür jedoch seinen Imbiss ausbauen. Seit etwa einem Jahr bietet „Bizim Balikci. Unser Fischmarkt“ auch Mittagessen an. „Mittags gibt es Backfisch, selbstgemachten Kartoffelsalat oder Fischsuppe. Kunden können außerdem türkische Spezialitäten wie etwa gebratene Sardellen kaufen.“ Den Imbiss weiß Birhan Babayigit bei seiner Mutter in besten Händen, sie ist für die Zubereitung der Leckereien zuständig.

Abgesehen von seiner Mutter gehen Babayigit noch zwei weitere Mitarbeiter zur Hand. Die Verantwortung für den Laden zu haben, das gefällt dem Wahlmünchner gut. „Selbstständig zu sein birgt zwar viele Gefahren, es macht aber auch großen Spaß. Es ist ein tolles Gefühl, sich abends bewusst zu machen, dass man wieder Tolles geleistet hat. Und die Arbeit mit Menschen ist sowieso nie langweilig.“

 

Für die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ suchen wir stets Unterstützer: Einfach und schnell können Sie sich vom Handy oder Desktop bei unserer Unterstützungserklärung eintragen und sich für einen baldigen Neubau der Großmarkthalle aussprechen.

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