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Gemeinsam gegen den Stillstand vorgehen und Veränderung bewirken

„Firma biotiv, der Fritz“, meldet sich der 50-Jährige am Telefon, das im Minutentakt klingelt. Trotz der frühen Morgenstunden und der kühlen Temperaturen hat der Händler für jeden Kunden einen Witz parat. Der Münchner führt gemeinsam mit seiner Frau Grit Busch die biotiv GmbH, Großhandel für Obst, Südfrüchten, Gemüse, Kartoffeln und Zwiebeln. Fritz Kugler ist für den Einkauf und Verkauf zuständig, seine Frau hat die Geschäftsführung inne.

Standortinitiative Großmarkt in Sendling. Jetzt.: Wie sind Sie auf den Großmarkt in Sendling gekommen?

Fritz Kugler: Diesen Stand hat schon mein Vater betrieben. Ich war als Kind oft hier, besonders in den Schulferien. Die Wurzeln des Unternehmens gehen bis ins Jahr 1882 zurück. Damals gab es noch keine Großmarkthallen. Die Firma biotiv besteht jetzt seit 10 Jahren. Inzwischen ist das schon mein 35. oder 36. Jahr auf dem Großmarkt. Ich habe die Entwicklungen vom Großmarkt ein Stück weit mitbekommen, auch die der Stadt München.

Standortinitiative: Was lässt Sie jeden Morgen – auch bei Minusgraden im Winter – um 2 Uhr morgens auf den Großmarkt kommen?

Kugler: Hier herrscht einfach ein ganz eigenes Flair. Wir haben meistens mit denselben Leuten zu tun und dennoch ist der Umgang mit den Kunden und Mitarbeitern von Tag zu Tag unterschiedlich. Bei unserer Arbeit ist immer ein gewisser Witz dabei. Insgesamt ist es eine ganz besondere Art des Zusammenarbeitens, die mir auf dem Großmarkt Spaß macht.

Standortinitiative: Mit wem haben Sie hier täglich zu tun und arbeiten Sie zusammen?

Kugler: Zunächst mit meinen neun Mitarbeitern. Und dann natürlich mit unseren Kunden. Wir haben hier kleine Kunden, die einen Sack Kartoffeln mitnehmen, und große Kunden, die sich einmal quer durch das Sortiment kaufen. Die Ware geht in die Gastronomie, den Einzelhandel, in Kioske, den Großhandel, an Wiederverkäufer aus München und dem Umland. Einen kleinen Teil der Ware schicken wir auch in das Inland, aber der wird immer geringer. Mit den direkten Versorgern wie beispielsweise Verona können wir preisbedingt nicht mithalten.

Standortinitiative: Welche Ware können Ihre Kunden bei Ihnen kaufen?

Kugler: Wir handeln grundsätzlich von der Aubergine bis zur Zitrone fast alles. Wir möchten dem Kunden sämtliche Wünsche im Obst- und Gemüsebereich erfüllen. Das wird auch in Zukunft sehr wichtig sein. Einem Gastronomen, der zu uns einkaufen kommt, dem müssen wir von der Kartoffel über die Ananas, dem Champignon und der Zwiebel alles bieten können. Andernfalls verlieren wir diesen Kunden an andere Lieferanten oder Gastronomieservices.

Standortinitiative: Und die Wünsche der Kunden zu erfüllen ist immer möglich?

Kugler: In letzter Zeit haben wir den Trend an asiatischen Lebensmitteln wahrgenommen. Wir bekommen Anfragen für beispielsweise die Stinkfrucht oder die Okra-Frucht. Solche Trends kriegen wir von den Köchen und Küchenchefs direkt mit. Es ist nicht immer einfach, diese speziellen Sachen zu beschaffen. Aber den kreativen Köpfen in der Küche, den immer wieder etwas Neues, Ausgefallenes in den Sinn kommt, versucht man alles anbieten zu können.

Standortinitiative: Wie gehen die Bestellungen bei Ihnen ein?

Kugler: Da werden alle Kanäle genutzt. Internet, SMS, WhatsApp, Telefon, Fax. Natürlich muss dafür der persönliche Kontakt zum Kunden vorhanden sein. Der Kunde muss sich überhaupt auf die Firma verlassen können. Darauf, dass alle seine bestellten Artikel von bester Qualität sind. Von 30 bestellten Obst- und Gemüsesorten dürfen nicht 28 hervorragend sein, zwei aber die Ansprüche der Kunden nicht erfüllen. Wir Händler haben hier durchaus die Chance, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Gleichzeitig besteht aber auch ein enormes Risiko. Und die Rahmenbedingungen unserer Arbeit und unseres Arbeitsplatzes sind nicht zu unterschätzen: Im Winter haben wir oftmals eine Eiseskälte, dann kommt das frühe Aufstehen noch dazu, die Hektik, der Stress. Das erschwert es uns auch, Nachfolger zu finden. Für den Job am Großmarkt muss man abgehärtet sein.

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Standortinitiative: Was muss sich in Zukunft auf dem Großmarkt in Sendling ändern?

Kugler: Dass die Stadt nun nach einem Investor sucht, bedeutet für uns Händler wieder Stillstand. Und Stillstand haben wir bereits über die letzten acht, neun Jahre ausharren müssen. In meinen Augen müssen wir Händler endlich geschlossen auftreten. Ich habe mich über die vergangenen zwölf Monate sehr mit der Problematik beschäftigt und war auch beim Jour-fix der Händler aktiv. Zu viele meiner Kollegen bringen sich aber nicht ein und lassen andere über ihre Zukunft entscheiden. Wir Händler müssen uns zusammentun und dafür einstehen, dass wir unter besseren Umständen in einem Neubau arbeiten können. Wenn hier nicht jeder seine eigene Suppe kocht, sondern wir gemeinsam an einem Strang ziehen, dann können wir deutlich mehr erreichen. Ich wünsche mir, dass das auch meine Kollegen so sehen und wir so die Zukunft des Großmarktes deutlich mitgestalten. Damit die vielen Familienbetriebe und jahrhundertelangen Traditionen nicht aussterben.

 

Für die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ suchen wir stets Unterstützer: Einfach und schnell können Sie sich vom Handy oder Desktop bei unserer Unterstützungserklärung eintragen und sich für einen baldigen Neubau der Großmarkthalle aussprechen.

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