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Europas Großmärkte: Zwischen Tradition und Daseinsvorsorge

Großmärkte können auf eine lange Geschichte verweisen. Der älteste seiner Art entstand bereits im 5. Jahrhundert in Frankreich auf der Île de la Cité, einer Binneninsel in der Seine, die als ältester Stadtteil von Paris gilt. Heute sind Großmärkte in vielen europäischen Städten nicht mehr wegzudenken, weil sie gewerbliche Händler, Verbraucher und Großabnehmer vor allem mit Lebensmitteln aller Art versorgen.

Kein geringerer als Emile Zola hat die Handlung seines berühmten Romans „Der Bauch von Paris“ größtenteils in den Pariser Großmarkt des Halles am rechten Ufer der Seine verlegt, dessen Historie bis ins Jahr 1137 zurückreicht. Auf präsidiale Anordnung aus dem Jahr 1960 sollte der Pariser Großmarkt an den Stadtrand von Paris umziehen. Nach fünfjähriger Bauzeit entstand von 1964 bis 1969 etwa 13 Kilometer südlich des Stadtzentrums der neue Pariser Großmarkt Rungis, der bis heute weltweit der größte seiner Art ist.

Der nach dem Ort Rungis benannte Großmarkt entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Handelszentren vor allem für Europas Spitzengastronomie. Der Markt umfasst eine Fläche von über 230 Hektar, von denen über 70 Hektar mit riesigen Hallen für Gemüse (9), Fleisch (7), Milch und Käse (5), Fisch und Meeresfrüchte sowie für Schnittblumen (je 1) bebaut sind. Auf dem Großmarkt arbeiten über 30.000 Mitarbeiter, die täglich fast 25.000 Fahrzeuge mit wertvoller Fracht versorgen. Nicht zu vergessen, dass es auf dem Rungis-Areal auch fast 25 Restaurants und Brasserien gibt.

Deutsche Spitzenköche profitierten vom Rungis-Angebot

Bereits 1975 organisierten sogar Münchner Köche wie Eckart Witzigmann, Otto Koch, Dieter Biesler und Hans-Peter Wodarz über die von ihnen gegründete Interessengemeinschaft „Neue Köche“ Fahrgemeinschaften zum Rungis Großmarkt. Wodarz erinnert sich an die Anfänge dieser Fahrten nach Paris: „Das war eine sehr spannende Zeit. Wir fuhren einzeln oder mit mehreren Personen in einer Art Kleintransporter nach Paris und kauften dort vor allem die Produkte ein, die es in Deutschland seinerzeit nicht gab. Dazu gehörten Crème fraîche ebenso wie französisches Geflügel, Gänseleber und spezielle Meeresfrüchte. Und gelegentlich waren diese etwa bis 1977 währenden Einkauftouren auch mit abenteuerlichen Erlebnissen mit Zoll- und Grenzbeamten verbunden.“ Die Hauptsache aber war, dass das Ziel erreicht wurde, erstklassige Produkte für die aufstrebende deutsche Spitzengastronomie zu beschaffen, so Wodarz zusammenfassend.

Europa hat eine Vielzahl von Großmärkten zu bieten

Ein weiterer bedeutender europäischer Großmarkt befindet sich in Mailand, der auf 700.000 Quadratmeter jährlich eine Milliarde Euro Umsatz erzielt und auf vier Märkten im Inneren 10 Millionen Händler mit Obst, Gemüse, Blumen, Fisch- und Fleischprodukten versorgt. Die seit Langem geplante Umstrukturierung des Großmarktes steht nun offenbar bald bevor. Erst im Oktober 2019 beschloss die Betreibergesellschaft eine Kapitalerhöhung von über 270 Millionen Euro. Die sollen dazu verwendet werden, zwei neue Hallen für Obst und Gemüse sowie eine spezielle Logistikplattform zu bauen. Ziel sei es, den Großmarkt „als Drehscheibe für italienische und internationale Unternehmen und Leistungsträger (zu entwickeln), die in der Lebensmittellieferkette beschäftigt sind und für die Räumlichkeiten und Dienstleistungen von höchster Qualität zur Verfügung stehen werden.“

Auch in europäischen Metropolen wie Wien, Madrid und Barcelona gibt es vergleichbare Großmärkte als Umschlagzentren für Lebensmittel. In Deutschland sind es Großmärkte in Berlin und München, aber auch der Berliner Großmarkt sowie vergleichbare Märkte in Köln, Frankfurt und Dortmund, die dazu beitragen, vor allem die Gastronomie mit erstklassigen, täglich frischen Produkten zu versorgen.

Der Berliner Großmarkt in der Beusselstraße beispielsweise beherbergt auf rund 330.000 Quadratmetern etwa 300 Firmen mit 2.500 Beschäftigten. Mit einem jährlichen Warenumschlag von über 580.000 Tonnen und einem Umsatz von einer Milliarde Euro versorgt der Markt monatlich 8.500 Kunden im Einzugsgebiet von Berlin sowie den Bundesländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Auch die bekannten Berliner Markthallen in vielen Stadtbezirken der Bundeshauptstadt tragen dazu bei, dass vor allem Endverbraucher täglich frische und hochwertige Lebensmittel erwerben und in den angeschlossenen gastronomischen Einrichtungen geschmackvoll in Szene gesetzt genießen können.

Großmarkt Sendling ist erste Anlaufstelle der Münchner Händler und Gastronomen

Im deutschen Süden ist es hauptsächlich die Großmarkhalle im Münchner Stadtteil Sendling, die zu den größten europäischen Märkten gehört. Der Markt wurde 1912 errichtet und weist eine über 100-jährige Tradition und gewachsene Strukturen auf. Als Arbeitsplatz für über 2.500 Beschäftige ist er zugleich Kulturgut und garantiert eine riesige Vielfalt frischer Produkte an Obst und Gemüse. Für die Einzelhändler und Gastronomen ist er erste Anlaufstelle für Spitzenprodukte, mit denen rund zwei Millionen Menschen jährlich versorgt werden. In den nächsten Jahren soll in Sendling am gleichen Standort eine neue Großmarkthalle mit modularen Lösungsansätzen unterschiedlicher Größenordnung entstehen, die sich an den Bedürfnissen modernen Großhandels orientiert.

 

Für die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ suchen wir stets Unterstützer: Einfach und schnell können Sie sich vom Handy oder Desktop bei unserer Unterstützungserklärung eintragen und sich für einen baldigen Neubau der Großmarkthalle aussprechen.

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