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Großmarkt: Lebensmittelversorgung geht weiter

Die Coronakrise wirkt sich massiv auf den Lebensmittelhandel mit Obst und Gemüse aus. Dies ist auch auf dem Großmarkt in Sendling deutlich zu spüren, wo Händler, die bereits wegen der teils baufälligen Markthalle, nun durch Corona-Verhaltensregeln vor noch größeren Herausforderungen ihre Arbeit verrichten, um München täglich mit frischen Obst und Gemüse zu versorgen. Zugleich hat der Stadtrat kürzlich grünes Licht für den Neubau der Großmarkthalle gegeben und damit eine historische Chance ermöglicht, das 26 Hektar große Areal neu zu ordnen, städtebaulich zu entwickeln und bezahlbaren Wohnraum Mitten in München zu schaffen. Um einen Einblick in das aktuelle Tagesgeschäft zu Coronazeiten zu erhalten, haben wir einen Händler auf dem Großmarkt in Sendling besucht.

Ingo Bähner-Gutekunst leitet zusammen mit seiner Frau Myriam Gutekunst die Geschäfte des gleichnamigen Obst- und Gemüse Großhandels auf dem Großmarkt München. Der Betrieb bezieht bereits seit 1946 regionale Produkte wie frische Salate, knackige Gurken und saftigen Kohl von Gärtnern aus der Erzeugergemeinschaft „Münchner Marktgärtner“ und Händlern der Großmarkthalle. Er schlägt in der Hochsaison täglich bis zu acht Tonnen Obst und Gemüse auf dem Großmarkt in Sendling um.

Herr Bähner-Gutekunst, wir sehen: Die Händler und Einkäufer in der Großmarkthalle tragen Mundmasken und Handschuhe, halten Abstand – alle geben ihr Möglichstes, um Verhaltensregeln zum Schutz vor Corona einzuhalten. Ein Großmarkt unter Quarantäne hätte katastrophale Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung mit frischen Lebensmitteln. Wird es trotz Corona genügend Obst und Gemüse in den Lebensmittelgeschäften geben?

„Ja, aktuell findet die Auslieferung zur Nahversorgung weiterhin laufend statt. Dadurch, dass momentan die Gastronomie-Branche als Abnehmer so gut wie weggebrochen ist, muss sich die Bevölkerung absolut keine Sorgen machen. Auch nach der Öffnung der Lokale wird es immer genug Essen geben.“

Wen trifft es momentan auf dem Großmarkt besonders?

„Massive Umsatzeinbrüche haben besonders Händler und Lieferanten zu beklagen, die sich auf die Gastronomie spezialisiert haben. Je länger die angeordneten Ausgangsbeschränkungen andauern, desto mehr bangen diese Betriebe um ihre Existenzen. Die von der Regierung angebotenen Soforthilfen laufen zwar an, werden aber bei weitem nicht ausreichen. Trotz der Diskussion über Lockerungen, muss die Politik jetzt tätig werden und Gastronomie und Zulieferern mit Steuerentlastungen und einer Aufstockung des Kurzarbeitergeldes unter die Arme greifen. Die Gastronomie wird eine der letzten sein, die öffnen darf. Wenn sich bis Pfingsten nichts ändert, sehe ich hier für einige Betriebe schwarz. Wir in der Großmarkthalle sind uns aber alle einig: Gesundheit geht vor. Lieber bleibt alles eine Woche länger geschlossen, als eine Woche zu früh. Eine zweite Coronawelle wäre verheerend.“

Sind Lieferengpässe zu erwarten?

„Der Großmarkt München bezieht den Großteil seiner Waren von regionalen Erzeugern. Südfrüchte werden allerdings aus Italien, Spanien und Co. importiert. Wie hier die Weiterversorgung aussieht, ist schwer abzuschätzen und hängt von Faktoren wie Grenzschließungen und den Spediteuren ab. Entweder können diese nicht ausliefern oder sind extrem teuer. Für unsere regionalen Erzeuger sind fehlende Erntehelfer das größte Problem. Die Auswirkungen werden wir erst im Herbst spüren. Am Ende wirkt sich das alles auf die steigenden Preise für Obst und Gemüse aus.“

Können Sie Ihr Geschäft noch normal aufrechterhalten?

„Natürlich wird derzeit kaum ein Händler um Kurzarbeit herum kommen. Aber: Viele haben in kurzer Zeit neue Geschäftsmodelle aus dem Boden gestampft und bieten Hofläden, Drive-in oder einen Lieferservice für Gemüsekisten an. Wir haben einen Onlineshop eröffnet. Dabei treffen wir den Nerv der Zeit. Die Nachfrage seitens der Endverbraucher ist hoch. Das gibt uns die Kraft, weiterhin jeden Tag unserer Arbeit nachzugehen. Wir sind froh, überhaupt noch arbeiten zu können. Gleichzeitig mache ich mir Sorgen um meine Mitarbeiter, die nun mit Lohneinbußen zurechtkommen und trotzdem Miete zahlen und ihre Familien ernähren müssen.“

Wird die Coronakrise Ihre Branche nachhaltig verändern?

„Diese Frage hat mir schon einige schlaflose Nächte bereitet. Das Ausmaß und der entstehende Schaden lassen sich noch gar nicht richtig ausmalen. Dennoch versuchen wir trotz der aktuellen Situation positiv zu bleiben. Verbraucher müssen bereit sein, umzudenken. Es ist nicht schlimm, wenn es nicht immer alles gibt. Es wird immer genug zu essen geben. Keiner wird hier an Hungernot leiden. Man kann auch mal Blumenkohl statt Grünkohl essen. Wir hoffen und glauben fest daran, dass unsere Gesellschaft in Zukunft mehr Wert auf regionale und saisonale Produkte legen wird.“

 

Für die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ suchen wir stets Unterstützer: Einfach und schnell können Sie sich vom Handy oder Desktop bei unserer Unterstützungserklärung eintragen und sich für einen baldigen Neubau der Großmarkthalle aussprechen.

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