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Vitamine trotz Viren-Shutdown: Gerade in Tagen wie diesen wird deutlich, wie wichtig der Großmarkt für München ist

Die aktuelle Coronakrise und Lieferengpässe bei Obst und Gemüse zeigen: Frische Lebensmittel sind keine Selbstverständlichkeit. Zudem lehrt die Krise, welche Gefahren von einseitigen Abhängigkeiten und Konzentrationsprozessen im Lebensmittelhandel, bei Produzenten und Logistik ausgehen. In diesen Tagen erlebt der Großmarkt München nicht zuletzt durch die Aktivitäten der Tafel zur Versorgung von Bedürftigen jene Aufmerksamkeit, die im Alltag als Selbstverständlichkeit untergeht. Der Großmarkt ist Bauch der Stadt: Er ist Münchens Versorger mit Obst und Gemüse und Umschlagplatz für frische Lebensmittel, die zu aktuellen Krisenzeiten mehr denn je an Wert gewinnen.

Es ist nichts wie es noch vor wenigen Wochen einmal war. Auf dem Großmarkt in Sendling ist die getrübte Stimmung deutlich zu spüren. Täglich steigt der Zahl der Mitarbeiter, die Atemschutzmasken tragen. Jeder trägt Handschuhe und hält Abstand zum anderen. Die Sorge, dass sich das Coronavirus auf dem Großmarktgelände ausbreiten könnte, ist groß. Jeder neue Tag ist ungewiss. Für einige Händler geht es um ihre Existenz. Das frische Obst und Gemüse hingegen lässt sich wenig anmerken. Die Tomatensorten leuchten in ihren vielfältigen Rottönen. Himbeeren, Mangos und Bananen duften um die Wette. „Wir sorgen dafür, dass es in München auch weiterhin frisches Obst und Gemüse gibt“, sagt Andreas Evers, Gemüsebauer in fünfter Generation, der einen eigenen Stand in der Gärtnerhalle direkt neben der Großmarkthalle betreibt. Seit 1896 führt seine Familie einen Gemüsebaubetrieb im Münchner Norden.

Großmarkthändler halten zusammen

Aktuell gehört Evers noch zu denen, die von der Coronakrise profitieren. Sein Kundenstamm sind unter anderem Wochenmärkte und Lebensmittelfachgeschäfte. „Als Erzeuger haben wir momentan den Vorteil, dass wir unser Gemüse leicht verkaufen können. Die Nachfrage ist in den vergangenen Wochen, insbesondere über die Osterfeiertage enorm gestiegen. Einige meiner Kollegen hingegen, die sich auf die Hotellerie und Gastronomie-Branche spezialisiert haben, steht das Wasser bis zum Hals. Sie verzeichnen Umsatzeinbrüche von 70 bis 90 Prozent. Wir versuchen, ihnen unter die Arme zu greifen und ihre Produkte mit zu verkaufen, denn der Großmarkt ist eine große Familie – hier wird niemand im Stich gelassen.“

Die Tugend aus der Not

Einige Händler haben in kürzester Zeit neue Geschäftsmodelle entwickelt, um ihren Betrieb vor der Insolvenz zu retten. Die Bandbreite ist vielfältig. So hat die Firma Hanuschke nähe Fasanerie einen Hofladen im eigenen Gemüsebaubetrieb eröffnet. Der Gemüsebau Kreuzinger bei Moosach bietet einen Drive-in mit Obst- und Gemüsekisten zum Selbstabholen an und die Gärtnerei Christian Waibl Nähe Eschenried vertreibt Gemüseboxen, die direkt zum Endverbraucher geliefert werden. Wer will, kann aber auch in seinem Hofladen einkaufen. „Das Angebot wird sehr gut angenommen und stellt sicher, dass wir weiterhin täglich unserer Arbeit, dem Gemüseanbau, nachgehen können“, sagt Christian Waibl.

Nach der Krise: Umdenken in der Gesellschaft

Trotz der Ungewissheit über die Zukunft versucht Andreas Evers positiv zu bleiben und sieht ein Umdenken in der Gesellschaft. „Aus jeder Krise entwickelt sich etwas Positives. So können wir schon jetzt feststellen, dass die Menschen mehr auf regionale und dadurch auch saisonale Produkte setzen. Vieles wächst vor unserer Haustür.“

 

Für die Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ suchen wir stets Unterstützer: Einfach und schnell können Sie sich vom Handy oder Desktop bei unserer Unterstützungserklärung eintragen und sich für einen baldigen Neubau der Großmarkthalle aussprechen.

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